Ratgeber

Nebenwerte Aktien verkaufen – Nicht mehr börsengelistete Aktien handeln

Wer OTC-Aktien oder nicht mehr börsengelistete Aktien im Depot hat, steht oft vor der Frage: Wie verkaufe ich diese Wertpapiere? Dieser Ratgeber erklärt den Ablauf, die Kosten und worauf Sie beim außerbörslichen Verkauf achten müssen.

1. Warum Nebenwerte verkaufen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Anleger nicht mehr börsengelistete Aktien oder OTC-Nebenwerte verkaufen möchten:

  • Portfolio bereinigen – Altbestände aus Erbschaften oder früheren Investments, die kein aktiver Bestandteil der Anlagestrategie mehr sind
  • Liquidität schaffen – Kapital freisetzen, das in illiquiden Wertpapieren gebunden ist
  • Delisting – Das Unternehmen hat die Börsennotierung aufgegeben und die Aktie wird nur noch außerbörslich gehandelt
  • Verluste realisieren – Steuerliche Verlustverrechnung nutzen, um Gewinne aus anderen Aktienverkäufen auszugleichen
  • Kein Handel mehr möglich – Die Depotbank unterstützt den OTC-Handel nicht und die Aktien verursachen nur noch Depotgebühren
Wichtig zu wissen: Auch wenn eine Aktie nicht mehr an der Börse gehandelt wird, ist sie nicht wertlos. Solange das Unternehmen existiert, haben Sie als Aktionär weiterhin Eigentumsrechte – einschließlich Dividendenansprüche und Stimmrechte auf der Hauptversammlung.

2. So funktioniert der Verkauf von OTC-Aktien

Der Verkauf von außerbörslichen Aktien unterscheidet sich grundlegend vom Verkauf regulär börsennotierter Wertpapiere. Es gibt keinen Online-Orderbutton – der Ablauf ist telefonisch und manuell.

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Geldkurs anfragen

Kontaktieren Sie Ihre Depotbank oder direkt die Valora Effekten Handel AG (Tel. 07243 / 9 40 90) und fragen Sie nach einem verbindlichen Geldkurs für Ihre ISIN. Der Geldkurs ist der Preis, zu dem Valora Ihre Aktien ankauft.

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Spread prüfen

Vergleichen Sie den angebotenen Geldkurs mit dem Briefkurs und dem letzten Handelskurs. Bei OTC-Aktien kann der Spread 5–25% betragen. Entscheiden Sie, ob der Verkaufspreis akzeptabel ist.

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Verkaufsorder erteilen

Erteilen Sie den Verkaufsauftrag über Ihre Depotbank mit: ISIN, Stückzahl, Kursart (Geldkurs oder Limit). Ein Limit schützt Sie vor einem Verkauf zu einem schlechteren Kurs.

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Abwicklung abwarten

Die Abwicklung dauert in der Regel 2–5 Bankarbeitstage. Der Erlös wird Ihrem Verrechnungskonto gutgeschrieben. Ihre Depotbank kümmert sich um die Übertragung der Aktien an Valora.

Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Depotbank vorab nach den Transaktionsgebühren für den OTC-Handel. Manche Banken berechnen höhere Gebühren für telefonische Orders oder außerbörsliche Transaktionen.

3. Aktien nach dem Delisting verkaufen

Wenn ein Unternehmen seine Börsennotierung aufgibt (Delisting), werden die Aktien von der regulären Börse genommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Aktien wertlos sind oder nicht mehr verkauft werden können.

Was passiert nach einem Delisting?

  • Aktien bleiben im Depot – Ihre Eigentumsrechte ändern sich nicht. Sie bleiben Aktionär mit allen Rechten
  • OTC-Handel übernimmt – Häufig stellt ein Marktmacher wie Valora weiterhin Kurse für die Aktie. Sie können über den OTC-Handel kaufen und verkaufen
  • Liquidität sinkt – Ohne Börsennotierung gibt es weniger Käufer und Verkäufer. Die Spreads werden in der Regel größer
  • Informationspflichten entfallen – Das Unternehmen muss nach dem Delisting keine Ad-hoc-Meldungen oder Quartalsberichte mehr veröffentlichen
Tipp für Inhaber von delisteten Aktien: Prüfen Sie auf unserer Startseite, ob Ihre Aktie über Valora gehandelt wird. Geben Sie dazu einfach den Firmennamen oder die ISIN in die Suche ein.

Häufige Gründe für ein Delisting

  • Squeeze-Out – Ein Großaktionär hält 95%+ und drängt Minderheitsaktionäre gegen Abfindung heraus
  • Freiwilliges Delisting – Das Unternehmen zieht sich von der Börse zurück, um Kosten zu sparen (keine Listing-Gebühren, Compliance-Aufwand)
  • Übernahme/Going Private – Nach einer Übernahme wird das Unternehmen von der Börse genommen
  • Insolvenz – Im Insolvenzfall kann die Börsennotierung enden. Die Aktien können trotzdem noch OTC gehandelt werden, allerdings meist zu Cent-Beträgen

4. Kosten und Spread beim Verkauf

Beim Verkauf von Nebenwerten fallen andere Kosten an als beim Handel an regulären Börsen. Der wichtigste Kostenfaktor ist der Spread – die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs.

KostenfaktorTypischer WertHinweis
Spread (Geld-Brief)5–25%Hauptkostenfaktor; variiert stark je nach Liquidität
Transaktionsgebühr Bank10–50 EURBankabhängig; telefonische Orders oft teurer
Courtage/Provision0–1%Nicht bei allen Banken; prüfen Sie Ihr Preisverzeichnis
Abgeltungssteuer25% + SoliNur auf realisierte Gewinne; Verluste verrechenbar
Rechenbeispiel: Sie verkaufen 10 Stück einer OTC-Aktie zum Geldkurs von 50 EUR (Briefkurs: 60 EUR). Der Spread beträgt 10 EUR je Aktie (16,7%). Bei einem Kaufkurs von 45 EUR realisieren Sie zwar einen Gewinn von 50 EUR, haben aber 100 EUR an „unsichtbaren" Spread-Kosten.

5. Die richtige Depotbank für den Verkauf

Nicht jede Bank ermöglicht den Verkauf von außerbörslichen Aktien. Viele Direktbanken und Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital unterstützen den OTC-Handel nicht.

Geeignete Banken für den OTC-Verkauf:

  • Sparkassen & Volksbanken – Die meisten Filialbanken können über ihre Zentralinstitute OTC-Handel abwickeln
  • Klassische Privatbanken – Gute Betreuung, aber höhere Gebühren
  • Spezialisierte Depotbanken – Einige Banken haben sich auf Inhaberaktien und illiquide Wertpapiere spezialisiert

Was tun, wenn Ihre Bank den Handel ablehnt?

  • Depotübertrag – Übertragen Sie die Aktien zu einer Bank, die den OTC-Handel unterstützt. Das ist kostenlos (§ 67a AktG)
  • Direktverkauf an Valora – In manchen Fällen können Sie Aktien direkt an die Valora Effekten Handel AG verkaufen
  • Hauptversammlung nutzen – Auf der HV können Sie andere Aktionäre oder den Vorstand ansprechen, ob ein Käufer bekannt ist

6. Steuerliche Aspekte beim Verkauf

Der Verkauf von Nebenwerten und delisteten Aktien unterliegt denselben steuerlichen Regelungen wie der Handel mit börsennotierten Wertpapieren.

  • Gewinne werden mit Abgeltungssteuer (25% + Soli + ggf. KiSt) besteuert
  • Verluste können nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 EStG)
  • Sparer-Pauschbetrag von 1.000 EUR (2.000 EUR Ehepaare) kann genutzt werden
  • Ererbte Aktien – Anschaffungskosten des Erblassers werden übernommen. Ein „Reset" auf den aktuellen Wert findet nicht statt
  • Totalverlust – Bei Insolvenz des Unternehmens können Verluste geltend gemacht werden, wenn die Aktien wertlos ausgebucht werden
Tipp zur Verlustverrechnung: Wenn Sie OTC-Aktien mit Verlust verkaufen, können Sie diese Verluste in der Steuererklärung angeben und mit zukünftigen Aktiengewinnen verrechnen. Das kann langfristig Steuern sparen.

7. Praxis-Tipps für den Verkauf von Nebenwerten

  • Kurs beobachten – Nutzen Sie unsere Aktienübersicht um den aktuellen Geld- und Briefkurs zu verfolgen, bevor Sie verkaufen
  • Limit setzen – Verkaufen Sie nie ohne Limit. Setzen Sie einen Mindestpreis, unter dem Sie nicht verkaufen möchten
  • Zeitpunkt wählen – Die besten Kurse erzielen Sie oft rund um die Hauptversammlung, wenn das Interesse an der Aktie höher ist
  • Dividende mitnehmen – Wenn eine Dividende ansteht, kann es sinnvoll sein, diese noch zu kassieren bevor Sie verkaufen
  • Teilverkäufe prüfen – Bei größeren Positionen kann ein schrittweiser Verkauf sinnvoll sein, um den Kurs nicht zu drücken
  • Alternativen prüfen – Manchmal ist es günstiger, die Aktien zu halten (z. B. bei guter Dividende) als sie mit hohem Spread zu verkaufen

8. Häufige Fragen zum Verkauf von OTC-Aktien

Wie verkaufe ich nicht mehr börsengelistete Aktien?

Nicht mehr börsengelistete Aktien können über OTC-Marktmacher wie die Valora Effekten Handel AG verkauft werden. Kontaktieren Sie Ihre Depotbank oder direkt Valora (Tel. 07243 / 9 40 90), um einen verbindlichen Geldkurs zu erfragen. Der Verkauf erfolgt telefonisch.

Was passiert mit meinen Aktien nach einem Delisting?

Ihre Aktien verlieren durch ein Delisting nicht ihren Wert. Sie bleiben in Ihrem Depot und Sie behalten alle Aktionärsrechte. Der Handel verlagert sich vom Börsenparkett in den OTC-Bereich, wo Marktmacher wie Valora weiterhin Geld- und Briefkurse stellen.

Welche Kosten entstehen beim Verkauf von OTC-Aktien?

Die Hauptkosten sind der Spread zwischen Geld- und Briefkurs (typisch 5–25%). Dazu kommen Transaktionsgebühren der Depotbank (10–50 EUR) und ggf. Courtage. Abgeltungssteuer fällt nur auf realisierte Kursgewinne an.

Kann ich OTC-Aktien auch bei Trade Republic oder Scalable Capital verkaufen?

Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder Smartbroker unterstützen in der Regel keinen OTC-Handel mit Inhaberaktien. Sie benötigen eine klassische Filialbank, Sparkasse oder Volksbank, die den Handel über Valora Effekten ermöglicht.