A
AG (Aktiengesellschaft)
Eine Kapitalgesellschaft, deren Grundkapital in Aktien aufgeteilt ist. Aktionäre haften nur in Höhe ihrer Einlage. Organe sind Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung. Mindestgrundkapital: 50.000 Euro (§ 7 AktG).
Aktie
Ein Wertpapier, das einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft verbrieft. Der Inhaber (Aktionär) hat Stimmrechte, Dividendenansprüche und das Recht auf Beteiligung am Liquidationserlös.
Aufsichtsrat
Das Kontrollorgan einer AG, das den Vorstand bestellt, überwacht und in bestimmten Geschäften zustimmen muss. Mitglieder werden von der Hauptversammlung gewählt; bei größeren AGs auch von Arbeitnehmern (Mitbestimmung).
Ask (Briefkurs)
Englische Bezeichnung für den Briefkurs – der Preis, zu dem ein Verkäufer (Market Maker) eine Aktie anbietet. Beim Kauf zahlen Sie den Ask-Preis. Siehe auch: Briefkurs.
B
Briefkurs (Ask)
Der Kurs, zu dem ein Market Maker eine Aktie zum Verkauf anbietet. Anleger, die kaufen wollen, zahlen den Briefkurs. Er liegt immer über dem Geldkurs. Die Differenz ist der Spread.
Bid (Geldkurs)
Englische Bezeichnung für den Geldkurs – der Preis, zu dem ein Market Maker bereit ist, eine Aktie zu kaufen. Beim Verkauf erhalten Sie den Bid-Preis. Siehe auch: Geldkurs.
Börsennotiz / Börsennotierung
Die offizielle Zulassung einer Aktie zum Handel an einer regulierten Börse (z.B. Frankfurter Wertpapierbörse). OTC-Aktien sind nicht börsennotiert, werden aber außerbörslich gehandelt.
Buchgewinn / Buchverlust
Der unrealisierte Gewinn oder Verlust einer Aktienposition, der sich aus dem aktuellen Marktwert abzüglich des Kaufpreises ergibt. Erst beim Verkauf wird daraus ein realisierter Gewinn/Verlust, der steuerlich relevant wird.
D
Delisting
Die Rücknahme der Handelszulassung einer Aktie. Bei OTC-Aktien bedeutet Delisting, dass der Market Maker keine Kurse mehr stellt. Aktionäre können ihre Anteile danach nur noch privat oder über Spezialanbieter veräußern – oft zu erheblichen Abschlägen.
Depot (Wertpapierdepot)
Ein bei einer Bank oder einem Broker geführtes Konto, auf dem Wertpapiere (Aktien, Fonds, Anleihen) verwahrt werden. Das Depot ist vom Bankvermögen getrennt (Sondervermögen) und daher im Insolvenzfall des Brokers geschützt.
Dividende
Eine Gewinnausschüttung der AG an ihre Aktionäre, beschlossen auf der Hauptversammlung. Bei OTC-Aktien wird die Dividende oft in bar ausgezahlt. In Deutschland unterliegt sie der Kapitalertragsteuer (25% + Soli + ggf. KiSt).
Dividendenrendite
Die jährliche Dividende je Aktie geteilt durch den aktuellen Kurs, ausgedrückt in Prozent. Beispiel: Dividende 2,00 €, Kurs 40,00 € → Dividendenrendite 5,0%. Bei OTC-Aktien kann die Rendite durch Spreads und Liquiditätsrisiko relativiert werden.
E
Eigenkapital
Das in der Bilanz ausgewiesene Vermögen der AG abzüglich aller Verbindlichkeiten. Besteht aus Grundkapital, Kapitalrücklagen und Gewinnrücklagen. Wichtige Kennzahl: Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).
ETF (Exchange Traded Fund)
Ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Index (z.B. DAX) passiv abbildet. OTC-Einzelaktien und ETFs schließen sich nicht aus – viele Anleger kombinieren ETF-Kernportfolio mit OTC-Beimischungen.
F
Freistellungsauftrag
Ein Auftrag an die Depotbank, Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag (2024: 1.000 € Einzelperson, 2.000 € Ehepaare) steuerfrei zu behandeln. Ohne Freistellungsauftrag führt die Bank automatisch Abgeltungsteuer ab.
Fungibilität
Die Austauschbarkeit und Handelbarkeit eines Wertpapiers. OTC-Aktien haben oft geringere Fungibilität als Börsentitel – sie lassen sich schwerer kaufen und verkaufen, besonders in größeren Stückzahlen.
G
Geldkurs (Bid)
Der Kurs, zu dem ein Market Maker bereit ist, eine Aktie von Ihnen zu kaufen. Beim Verkauf Ihrer Aktien erhalten Sie den Geldkurs. Er liegt immer unter dem Briefkurs.
Grundkapital
Das in der Satzung festgelegte Nennkapital einer AG, aufgeteilt in Aktien mit einem Nennbetrag oder als Stückaktien. Das Grundkapital ist im Handelsregister eingetragen und kann nur durch Hauptversammlungsbeschluss geändert werden.
Geschäftsbericht
Der jährliche Bericht einer AG, der Jahresabschluss (Bilanz, GuV, Anhang), Lagebericht und Bericht des Aufsichtsrats enthält. Für OTC-Gesellschaften gelten oft vereinfachte Offenlegungspflichten, aber der Geschäftsbericht ist beim Handelsregister einsehbar.
H
Hauptversammlung (HV)
Das jährliche Treffen der Aktionäre einer AG. Beschlussgegenstände: Verwendung des Jahresüberschusses (Dividende), Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, Kapitalmaßnahmen. Aktionäre müssen rechtzeitig eingeladen werden (§ 121 AktG). Für OTC-Aktionäre oft die wichtigste Informationsquelle.
Handelsregister
Das öffentliche Register beim Amtsgericht, in dem Kapitalgesellschaften mit Satzung, Kapital, Vorstand und Aufsichtsrat eingetragen sind. Jedermann kann Eintragungen einsehen (online: handelsregister.de). Wertvolle Informationsquelle für OTC-Anleger.
I
Inhaberaktie
Eine Aktie, bei der das Eigentum allein durch den physischen Besitz des Wertpapiers (oder heute: den Depoteintrag) übertragen wird, ohne Namenseintragung. Der Inhaber ist Aktionär. Heute meist als Buchwertpapier im Depot verwahrt.
ISIN (International Securities Identification Number)
Eine 12-stellige alphanumerische Kennung (Ländercode + 9 Zeichen + Prüfziffer), die ein Wertpapier weltweit eindeutig identifiziert. Deutsche ISINs beginnen mit "DE". Beispiel: DE0008204504 (AG Norden-Frisia). Die ISIN ersetzt die alte Wertpapierkennnummer (WKN).
K
Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer)
Eine Quellensteuer auf Kapitalerträge (Dividenden, Kursgewinne, Zinsen) in Höhe von 25% + 5,5% Solidaritätszuschlag + ggf. Kirchensteuer. Die Depotbank führt sie automatisch ab. Über die Steuererklärung (Anlage KAP) kann eine Günstigerprüfung beantragt werden.
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
Aktienkurs dividiert durch Buchwert je Aktie (Eigenkapital / Aktienanzahl). KBV < 1 bedeutet, die Aktie wird unter Buchwert gehandelt – bei OTC-Nebenwerten oft der Fall. Kann Unterbewertung signalisieren, muss aber im Branchenkontext bewertet werden.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Aktienkurs dividiert durch Gewinn je Aktie. Zeigt, das Wievielfache des Jahresgewinns Anleger bereit sind zu zahlen. Bei OTC-Aktien oft schwer zu ermitteln, da Gewinnzahlen seltener veröffentlicht werden als bei börsennotierten Unternehmen.
Kapitalerhöhung
Die Ausgabe neuer Aktien zur Erhöhung des Grundkapitals. Bestehende Aktionäre haben in der Regel ein Bezugsrecht (§ 186 AktG), um ihre Beteiligungsquote zu halten. Bei OTC-AGs werden Kapitalerhöhungen oft durch Beschluss der HV umgesetzt.
L
Liquidität (Marktliquidität)
Das Maß dafür, wie schnell ein Wertpapier zum fairen Preis ge- oder verkauft werden kann. OTC-Aktien haben typischerweise geringe Liquidität: Große Orders können den Kurs stark bewegen, und es kann Tage oder Wochen dauern, eine Position vollständig auf- oder abzubauen.
Limit-Order
Ein Kaufauftrag mit einem Höchstpreis oder ein Verkaufsauftrag mit einem Mindestpreis. Bei OTC-Aktien immer empfohlen, da der Spread hoch sein kann und eine Market-Order zu ungünstigen Preisen ausgeführt werden könnte.
M
Market Maker
Ein Finanzintermediär, der kontinuierlich verbindliche Kauf- und Verkaufskurse (Geld- und Briefkurs) für ein Wertpapier stellt. Im OTC-Handel in Deutschland ist die Valora Effekten Handel AG ein bekannter Market Maker für Nebenwerte. Ohne Market Maker wäre kein Handel möglich.
Marktkapitalisierung
Anzahl der ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs. Misst den "Börsenwert" eines Unternehmens. OTC-Nebenwerte haben oft eine Marktkapitalisierung von unter 10 Millionen Euro (Micro-Caps) oder sogar darunter.
N
Nennwert (Nominalwert)
Der auf der Aktie aufgedruckte Betrag, der den rechnerischen Anteil am Grundkapital angibt (z.B. 1 €, 5 €, 50 €). Der Nennwert hat wenig Bezug zum Marktkurs. Bei Stückaktien ist kein Nennwert angegeben; jede Aktie repräsentiert gleiche Anteile.
Nebenwerte (Small/Micro Caps)
Aktien von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. In Deutschland: Small Caps bis ca. 1 Mrd. €, Micro Caps unter 150 Mio. €. OTC-Aktien sind typischerweise Micro-Caps. Nebenwerte bieten höhere Renditechancen, aber auch höhere Risiken als Large Caps.
O
OTC (Over the Counter)
Englisch für "über den Tresen" – bezeichnet den außerbörslichen Direkthandel zwischen zwei Parteien, ohne eine regulierte Börse als Vermittler. OTC-Aktien in Deutschland werden oft über spezialisierte Market Maker wie die Valora Effekten Handel AG gehandelt.
Ordertypen
Die verschiedenen Arten von Handelsaufträgen: Market Order (zum bestmöglichen Preis sofort ausführen), Limit Order (erst ab einem bestimmten Preis ausführen), Stop Loss (automatisch verkaufen wenn Kurs fällt). Bei OTC immer Limit Orders verwenden.
P
Portfolio / Depot-Zusammensetzung
Die Gesamtheit aller Wertpapiere im Depot. Für OTC-Investoren gilt: OTC-Positionen sollten in der Regel nicht mehr als 5–10% des Gesamtportfolios ausmachen, da das Liquiditäts- und Ausfallrisiko hoch ist.
Prospektpflicht
Die gesetzliche Pflicht, beim öffentlichen Angebot von Wertpapieren einen von der BaFin genehmigten Prospekt zu veröffentlichen (EU-Prospektverordnung 2017/1129). Für OTC-Aktien bestehen oft Ausnahmen (z.B. bei Angeboten unter 8 Mio. € oder an Institutionelle), aber Anleger erhalten dann weniger Informationen.
R
Rendite (Gesamtrendite)
Die prozentuale Wertveränderung einer Geldanlage inklusive Erträge (Dividenden). Berechnung: (Verkaufskurs + Dividenden - Kaufkurs - Kosten) / Kaufkurs x 100. Bei OTC-Aktien muss der Spread als Kostenbestandteil einkalkuliert werden.
Risikomanagement
Strategien zur Begrenzung von Verlusten: Diversifikation (nicht alles auf eine Karte), Position Sizing (nicht zu große Einzelpositionen), Stop-Loss-Orders, Haltedauer (OTC-Aktien sind für langfristige Anleger besser geeignet als für kurzfristige Trader).
S
Spread (Geld-Brief-Spanne)
Die Differenz zwischen Briefkurs (Kaufpreis) und Geldkurs (Verkaufspreis). Bei OTC-Aktien kann der Spread 2–10% oder mehr betragen – ein erheblicher impliziter Kostenfaktor. Beim Kauf zahlen Sie sofort den Spread als "Verlust". Beispiel: Geldkurs 9,50 €, Briefkurs 10,50 € → Spread 10%.
Stückaktie (nennwertlose Aktie)
Eine Aktie ohne aufgedruckten Nennwert. Jede Stückaktie repräsentiert einen gleich großen Anteil am Grundkapital. Die meisten modernen deutschen AGs geben Stückaktien aus.
Sondervermögen (Depotschutz)
Wertpapiere im Depot werden als Sondervermögen des Kunden geführt und sind vom Vermögen der Depotbank getrennt. Bei Insolvenz der Bank werden die Papiere auf ein anderes Depot übertragen – sie gehören dem Kunden, nicht der Bank.
V
Valora Effekten Handel AG (VEH)
Ein deutsches Wertpapierhandelsunternehmen mit Sitz in Ettlingen, das als Market Maker für über 100 nicht börsennotierte Aktien (OTC-Aktien) fungiert. VEH stellt täglich Geld- und Briefkurse und ermöglicht so den außerbörslichen Handel.
Verwahrung (Girosammelverwahrung / Streifbandverwahrung)
Girosammelverwahrung: Die häufigste Form – Aktien werden beim Zentralverwahrer (Clearstream) in einem gemeinsamen Bestand gehalten. Der Anleger hat einen Miteigentumsanteil. Streifbandverwahrung: Die Aktie wird individuell (ggf. als Urkunde) beim Broker oder der Depotbank getrennt verwahrt – aufwändiger und teurer.
Vorstand
Das Leitungsorgan einer AG, das die Gesellschaft eigenverantwortlich führt und nach außen vertritt. Vorstandsmitglieder werden vom Aufsichtsrat bestellt und abberufen. Sie haften für Pflichtverletzungen gegenüber der Gesellschaft (§ 93 AktG).
W
WKN (Wertpapierkennnummer)
Die alte sechsstellige deutsche Wertpapierkennnummer, die heute weitgehend durch die ISIN ersetzt wurde. Manche Handelssysteme und ältere Dokumente verwenden noch die WKN. Sie ist in der ISIN enthalten (Zeichen 3–8 der deutschen ISIN).
Z
Zeichnungspreis (Ausgabepreis)
Der Preis, zu dem neue Aktien bei einer Kapitalerhöhung oder einem IPO ausgegeben werden. Liegt oft unter dem Marktpreis (bei Bezugsrechtsemissionen), um bestehende Aktionäre zu entschädigen. Bei OTC-AGs sind Kapitalerhöhungen oft zu Buchwert möglich.
Zinsumfeld & Aktienbewertung
Steigende Zinsen senken tendenziell Aktienbewertungen (höherer Diskontierungsfaktor für künftige Gewinne). OTC-Aktien reagieren weniger stark auf das allgemeine Zinsumfeld als Large Caps, da der Handel dünner ist – individuelle Unternehmensperformance dominiert.